Wenn es am 29.03. 2020 eine Taufe gegeben hätte

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Liebe Besucherin, lieber Besucher: Herzlich willkommen in unserer Kirche.

 

Am 29. März feiern wir den 2. Sonntag im Frühling. Mit dieser Feier eröffnen wir die 5. Woche in der Fastenzeit. Erneut, als Folge des Ausnahmezustandes, gibt es keinen Gemeindegottesdienst im normalen Sinne des Wortes.

Ein imaginärer Gottesdienst, so könnten wir diese Feier bezeichnen.

Der Gottesdienst liegt in der Kirche auf oder er wird Ihnen nach Hause geschickt. Anderenorts gibt es Internetübertragungen von Musik und Predigt, ohne Gemeinde. In unseren Gemeinden sind wir dafür nicht eingerichtet.

Heute wäre ein Taufsonntag gewesen. An der Orgel würde die Organistin Sybille Hofer uns musikalisch auf die Feier eingestimmt haben. Ich stelle mir vor, dass sie zum Beispiel eine Be-arbeitung vom Kirchengesang Nr. 174, «Liebster Jesu, wir sind hier», gespielt hätte:

https://youtu.be/x0QqCE6W9Qk

 

Mit jeder Taufe sind wir eingeladen, uns Gedanken über die Bedeutung dieses Rituals zu machen.

Wir würden singen: «Himmelsweg, zeig ihm die Bahn, Friedefürst, sei du sein Friede. . .  Schreib den Namen, den wir geben, in dein Buch zum ewgen Leben» (Der Text im Gesangbuch der Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz ist etwas anders als im Evangelischen Gesangbuch für Bayern und Thüringen).

Dieses Lied hat die gleiche Melodie wie das Lied zur Eröffnung des Gottesdienstes. In diesem Lied, Nr. 159, laden die Sätze «Unser Wissen und Verstand ist mit Finsternis verhüllet... O du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht, aus Gott geboren; mach uns allesamt bereit, öffne Herzen, Mund und Ohren; unser Bitten, Flehn und Singen lass, Herr Jesu, wohl gelingen» ein, zum Bekenntnis, dass

Unsere Hilfe steht im Namen des Ewigen, der Himmel und Erde gemacht hat und ewig Treue hält. Amen

 

2 GEBET

Ein Gebet aus dem Gesangbuch der Christkatholischen Kirche, nach Lothar Zenetti. Wir können dabei gut denken an Kinder aus unserem Bekanntenkreis. Ich denke jetzt besonders an die Eltern in unseren Bergdörfern:

 

„Segne dieses Kind und hilf uns, ihm zu helfen,

Dass es sehen lernt mit seinen eignen Augen:

das Gesicht seiner Mutter,

die Farben der Blumen,

den Schnee auf den Bergen

und das Land der Verheissung.

 

Segne dieses Kind und hilf uns, ihm zu helfen,

dass es hören lernt mit seinen eignen Ohren:

auf den Klang seines Namens,

auf die Wahrheit der Weisen,

auf die Sprache der Liebe

und das Wort der Verheissung.

 

Segne dieses Kind und hilf uns, ihm zu helfen,

dass es greifen lernt mit seinen eignen Händen:

nach der Hand seiner Freunde,

nach Maschinen und Plänen,

nach dem Brot und den Trauben

und dem Land der Verheissung.

 

Segne dieses Kind und hilf uns, ihm zu helfen,

dass es reden lernt mit seinen eignen Lippen:

von den Freuden und Sorgen,

von den Fragen der Menschen,

von den Wundern des Lebens

und dem Wort der Verheissung.

 

Segne dieses Kind und hilf uns, ihm zu helfen,

dass es lieben lernt mit seinem ganzen Herzen.

Und dann hätte ich Sie gerne eingeladen zum Geburtstagslied

 

3 LIED

Nr. 734 im Gesangbuch: https://youtu.be/Yb7hEJIGO4Q

und: https://youtu.be/Yb7hEJIGO4Q

 

Dieses Lied habe ich immer wieder zur Eröffnung einer Taufe gesungen. Mir gefällt in diesem Lied die Offenheit. Was für ein Wunsch: Erde und Himmel mögen dir blühen! Mehr Freude als Mühen!

Ich hätte dann gerne einen Psalm gelesen. Zufällig habe ich die Jahresbibel (die Bibel in 365 Ab-schnitten) aufgeschlagen. Für den 29. März finden wir:

 

4 PSALM 121,5-8

 

«Der HERR behütet dich;

         der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht steche

         noch der Mond des Nachts.

 Der HERR behütet dich vor allem Übel,

         er behüte deine Seele.

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang

         von nun an bis in Ewigkeit!»

 

Sie finden den Psalm auch im Internet auf dem Bible-server: https://www.bibleserver.com/LUT/Psalm121%2C5-8

(Sie können beim Link auch die Hörversion der Hoffnung-für-Alle-Übersetzung anklicken).

Der Link zur Jahresbibel:  https://www.die-bibel.de/bibeln/leitfaden-bibellese/bibelleseplaene/jahresbibelleseplan/

 

5 MUSIK

Welche Musik wäre hier passend? Vielleicht eine Bearbeitung von diesem Psalm 121. Der Anfang ist bekannt und wurde auch von verschiedenen Komponisten vertont: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt meine Hilfe?“

Ich wähle eine Version aus dem Genfer Psalter. Der Psalter war lange Zeit in den reformierten Kirchen der einzige erlaubten Gesang. Und passend dazu denn wir wären heute in der Kirche von Praden gewesen: An der Orgel in Praden ist König David mit der Harfe dargestellt.

https://youtu.be/ec7YriymwLI

Eine Bearbeitung von Louis Lewandowsky: https://youtu.be/33YKu-W2Cs0?list=RD33YKu-W2Cs0

Andere Versionen: https://youtu.be/ioKxMuNVbEw?list=PL15DF46D76CA72F5E

Eine Bearbeitung von Felix Mendelssohn Bartholdy: https://youtu.be/CeTsSyhtw0Q

Und von Jan Pieterszoon Sweelinck: https://youtu.be/1C58oleNiNU

 

6 GEDANKEN – Teil 1

Die Worte, mit welchen Psalm 121 schliesst, habe ich immer wieder bei der Taufe und bei der Aussegnung gesprochen.

Bei der Taufe finde ich sie schön, weil sie ermutigen. Die Taufe steht bei uns meistens am Anfang des Lebens. Das Leben liegt vor uns wie ein Weg voller Hindernisse, Herausforderungen. Stellvertretend für das Kind, das wir heute getauft hätten, hätten wir gesungen, gebetet, ge-dankt.

Auf meinem imaginären Gottesdienst vorige Woche, bekam ich eine Reaktion, die darauf hinwies, die Kirche als «Tank-, Denk- und Dankstelle» zu bezeichnen. Danken wollen wir mit den Eltern und ihren Angehörigen für dieses Kind, das wir nun erst nach einigen Wochen (und hoffentlich nicht erst nach Monaten!) werden taufen können.

Landesweit gehen wir jetzt in die zweite Woche mit Einschränkungen, ohne Gottesdienste. Wir hätten diesen Wunsch, «dass Erde und Himmel dir blühen», gesungen. Es wäre wohl mehr als einen Wunsch gewesen. Eher ein Gebet für dieses Kind, für alle Kinder, für alle Kinder Gottes dieser Erde, für grosse, kleine, alte und junge.

In diesen Tagen haben wir viel Zeit, uns über das «Wunder des Lebens» Gedanken zu machen, weil wir den sozialen Kontakt aufs Minimum beschränken müssen. Zum Glück können wir über die elektronischen Medien miteinander reden.

Das Leben wird gerne mit dem Bild vom Weg verbunden. Vor einigen Wochen entdeckte ich, dass die Kirche von Tschiertschen eine Jakobskirche ist. Sie liegt auf einem der «Jakobswege». Der Pilgerweg nach Santiago da Compostella im Nordwesten von Spanien, ist einer der alten, wichtigen Pilgerwege der Christenheit. Die andere sind: der Weg nach Jerusalem und der Weg nach Rom. Unser Täufling heute hätte den Namen Diego bekommen. Das ist eine Form von Jakob.

Dieser Name Jakob erinnert einerseits an dem Namen des Bruders Jesu, Jakobus, der in der Apostelgeschichte erwähnt wird. Als führende Gestalt (er ist ja ein leibhafter Bruder Jesu) der Gemeinde hat er entscheidender Einfluss gehabt bei einer Zusammenkunft über die Frage, ob die nichtjüdischen Anhänger der neuen Bewegung (Der Name für die Gemeinde Jesu in der Apostelgeschichte ist «die vom neuen Weg») völlig zum Judentum übertreten sollten. Es wurde entschieden, dass wir uns als Nichtjuden nur an bestimmten Verhaltensregeln halten müssen (die «noahidischen Gebote», welche als solche nicht in der Bibel erwähnt werden).

Andererseits erinnert der Name Jakob natürlich an den Erzvater, den Enkel Abrahams. Wir bezeichnen Gott oft als «Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs». Dieser Jakob bekommt einen anderen Namen, nachdem er in der Nacht mit einem Mann gekämpft hat: Israel. Der Name wird in der Bibel gedeutet als «der mit Gott kämpft, ringt».

Als ich vor einigen Wochen mit einem Freund die Ausstellung mit Bildern von Carl Spitzweg im Kunst Museum Reinhart am Stadtgarten in Winterthur besuchte, sah ich eine Szene, die wir vermutlich alle kennen: Esau, der Zwillingsbruder Jakobs, verkauft sein Erstgeburtsrecht für eine Linsensuppe.

 

Das Erstgeburtsrecht ist mit Verantwortung für den Stamm und für den Besitz, die Herden, die Hirten, verbunden. Esau hat Hunger und will Suppe. Er verkauft seine Suppe für einen Teller Linsensuppe. Das hat Spitzweg dargestellt. Später wird Rebekka dafür sorgen, dass der sterbende Isaak den Segen des Erstgeborenen auf Jakob legt, weil sie als Mutter weiss, dass Esau für die Aufgabe ungeeignet ist. Die Folge ist eine Entfremdung beider Brüder. Esau schwört Rache. Und als es dann eintrifft, dass beide Brüder sich wieder treffen würden – und sich versöhnen – kämpft Jakob mit dieser Gestalt in der Nacht und bekommt den Namen Israel.

In seinem Leben hatte Jakob mit unterschiedlichen Herausforderungen zu kämpfen. Und er besiegte sie, wie er auch diese unbekannte, fremde Gestalt besiegte. In einer Erklärung habe ich mal gelesen, dass es hier nicht um einen realen Kampf gegangen ist, sondern um den Kampf mit den eigenen, inneren, düsteren Kräften. Das Leben stellt uns immer wieder vor Herausfor-derungen.

Bei meinen Taufurkunden habe ich meistens auch ein Gespräch von einer Mutter mit ihrem Kind abgedruckt. Vor sehr langer Zeit wurde es mir bei einem Taufgespräch gegeben. Seither habe ich es immer wieder verwendet. Darum hätte ich es wohl auch bei der Taufe von Diego vorgetragen oder auf der Taufurkunde für ihn abgedruckt:

 

7 GEBOREN WERDEN HEISST SICH LÖSEN, LEBEN HEISST SICH BINDEN.

 

Deine Entbindung ist vollzogen, die Verheissung deines Lebens erfüllt.

Die Zeit war reif. Du hast dich gelöst aus den wärmenden Hüllen deines Werdens, aus dem schützenden Raum meines Körpers.

In deiner Geburt sind wir einander begegnet. Schmerz hat mich gelehrt, dich loszulassen, Schmerz hat unsere Trennung in Erlösung verwandelt.

Dein Atem hat dich ins Leben geführt. Du wurdest abgenabelt, von mir getrennt. Neu werden wir uns aneinanderbinden.

An meiner Brust wirst du Sättigung, in unseren Armen Nähe erfahren. In einer Umarmung wurdest du zum Leben gerufen und bist Mensch geworden. Zärtlichkeit und Zuwendung, Vertrauen und Geborgenheit lehren dich, das Leben zu lieben. Sie sind Wurzeln, die deinem Leben Halt und Nahrung, auch in dürren Zeiten, sichern.

Du solltest durch uns erfahren jeden Tag worauf wir bauen, was unserem Leben Tiefe gibt. Bleibe eingebunden in die Liebe deiner Eltern.

Wenn die Zeit reif ist – es wird früher sein, als uns lieb ist – wirst du die Weite erobern wollen die wir dir Stück um Stück immer mehr zutrauen.

Du wirst dich lösen wollen, immer wieder, immer bestimmter und wir werden dich ziehen lassen, kleine Schritte zu deinen Freunden, weite Wege zu den Menschen, an die du dich binden möchtest.

Du bleibst umarmt, wie dein Vater von mir umarmt bleibt und wie ich aus der Umarmung mit deinem Vater lebe. Daraus werden wir die Kraft schöpfen, die wir brauchen, um die Umarmung des Todes annehmen zu können wenn wir uns einmal vom Leben lösen um uns für immer an Gott zu binden.

 

8 Gedanken Teil 2

Diese Worte, von einer Mutter zu ihrem Kind gesprochen, schliessen mit einem Hinweis, dass wir uns eines Tages auch von diesem Leben zu lösen haben.

Die Taufe, so wird in mancher Liturgie zur Taufe betont, steht am Anfang vom Leben. Unsere Namen werden mit dem Gott Israels oder Jakobs verbunden. Durch diesen Sohn Israels, Jesus, der unser Christus ist. Am Ende des Lebens übergeben wir das Leben unserer Geliebten in Gottes Hand. Bei der Aussegnung habe ich meistens auch die Worte aus Psalm 121 gesprochen, welche wir am Anfang gelesen haben: «Gott behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.» Unsere Bindungen sind auf Lebenszeit angelegt. Das Band mit Gott, so unser Glauben, ist untrennbar. Wenn der Begriff Gott uns Mühe macht, könnten wir dann Leben sagen? Leben nicht im Sinne von dem, was wir als begrenztes Leben kennen. Eher Leben, das alle möglichen menschlichen Vorstellungen übersteigt.

Die Kinder erinnern uns einerseits an das Wunder des Lebens. Andererseits sind sie eine Verpflichtung uns für die Zukunft aller Kinder dieser Welt einzusetzen. Hier kommt mir noch ein anderer Spruch aus der Taufurkunde in den Sinn. Ein Wort von Rabinadrath Tagore (7. Mai 1861 - 7. August 1941, war ein bengalischer Dichter, Philosoph, Maler, Komponist, Musiker, Anhänger einer religiösen Reformbewegung innerhalb des Hinduismus, der 1913 den Nobelpreis für Literatur erhielt und der erste asiatische Nobelpreisträger war):

 

«Jedes Kind bringt die Botschaft, dass Gott sein Vertrauen in die Menschheit noch nicht verloren hat.»

 

Jedes Kind sagt uns, dass das Leben weitergeht.

Und hier hätte ich dann wohl, wie ich das öfters mache, den Dichter und Pfarrer Kurt Marti (31. Januar 1921 - 11. Februar 2011) zitiert:

 

es ist ein wunder

was ist ein wunder?

 

gezeugt zu werden

zu zeugen

geboren zu werden

zu gebären

gelebt zu werden

zu leben

geschaffen zu werden

zu schaffen

geträumt zu werden

zu träumen

geliebt zu werden

zu lieben

gebraucht zu werden

zu brauchen

gedacht zu werden

zu denken

gefühlt zu werden

zu fühlen

gestorben zu werden

zu sterben

 

es ist ein wunder

ist ein wunder?

es ist

aus: Kurt Marti: Leichenreden, dtv, München 2004, S. 11.

 

Im Evangelischen Gesangbuch für Bayern und Thüringen gibt es ein Lied, das gut daran an-schliesst, weil es über das Wunder der Geburt singt. Es ist von Jürgen Henkys im Jahr 1982 nach dem norwegischen «Fylt av glede over livets under» von Sein Ellingsen (1973) verfasst worden.

 

«Voller Freude über dieses Wunder,

unser Neugebornes auf den Armen,

kommen wir zu dir: Du gabst das Leben.»

 

Das Lied geht von der Säuglingstaufe aus. Eine Tradition, mit der wir als Reformierte weniger vertraut sind. Der Täufling, der wir heute getauft hätten, wurde voriges Jahr geboren. Vermutlich wird es Sommer, wenn nicht Herbst, bis die Taufe stattfinden wird.

In diesen Tagen der Informationsflut über Covid-19 oder Coronavirus, bekommt die zweite Strophe dieses Lieds eine besondere Aktualität:

 

«Bange vor der unbekannten Zukunft

legen wir dies Kind in deine Arme.

Du willst taufen. Das gibt uns Gewissheit.»

 

Gewissheit in Zeiten voller Ungewissheit wäre eine Umschreibung für Glauben, denke ich dabei. Es wird hier über Geborgenheit gesprochen. Wir legen das Kind in «deine Arme». Bei einer Taufe gibt es manchmal die Frage, wer das Kind halten wird? Es gibt Pfarrerinnen und Pfarrer, die es halten. Ich habe gerne, dass die Eltern oder Paten das Kind halten (Sie könnten es auch der Reihe nach machen, sogar der gesamten Taufgemeinde könnte das Kind gereicht werden, damit jede und jeder es mal halten darf). Es wäre eine symbolische Handlung: Indem ich das Kind halte, möchte ich ihm auch einen Halt geben. Zumindest in der ersten Zeit seines Lebens, damit es, mit unserer liebenden Fürsorge gerüstet, den Herausforderungen des Lebens begegnen kann.

Wir sind dazu fähig, weil die dritte und vierte Strophe uns zum Vertrauen, zum Glauben, ermutigen:

 

«Staunend hören wir: Du bist ganz nahe.

Der das Weltall trägt mit seinen Tiefen,

wartet auf die Kleinen und empfängt uns.

 

Deine Liebe wirkt die neue Schöpfung,

öffnet, die sonst fest verschlossen wären,

eint im Glauben uns mit deinem Christus.»

 

Gottes Nähe verbinden wir mit der Gestalt Christi. Auf Christi Geheiss taufen wir Kinder. Aber auch die Ungetauften dürfen diese Nähe spüren. Alle sind Zeichen dieses Vertrauen Gottes in die Menschheit, worüber Tagore spricht. Gottes Liebe kann nur durch Menschen wirksam werden. Ein bekanntes Gebet aus der Friedensbewegung beginnt so: «Herr, mache mich zum Werkzeug deiner Liebe.» Gott kennen wir, begegnen wir in Christus Jesus, so haben wir das doch gelernt. Und nur in unserer Liebe zum Leben, zu den Mitgeschöpfen, kann Gott Nähe zeigen. Zumindest denke ich das so. So verstehe ich die Strophe: «Deine Liebe wirkt die neue Schöpfung.»

Wie ich gesagt hätte, sind die Worte aus Psalm 121 sowohl am Anfang als auch am Ende vom Leben zu hören. Sie sind wie die Klammer, die Eckdaten unseres Lebens. Das Band mit Gott wird durch den Tod nicht aufgelöst, glauben wir. Daran erinnert diese Strophe:

 

«Unsre Zeit kommt bald an ihre Grenze,

aber deine Taufversprechen bleiben.

Wir verlöschen. Deine Kerze leuchtet.»

 

In vielen reformierten Kirchen hat die Taufkerze Eingang gefunden. Wir sind wie eine Kerze, die irgendwann verlöscht. Die Kerze der Liebe Gottes verlöscht nicht. Unsere Glaubensvorstellungen sind begrenzt, wir können viel, aber Gott übersteigt das Menschenmögliche. Das ruft die letzte, die sechste Strophe, uns in Erinnerung:

 

«Du bist reicher, als wir sagen können.

Hilf uns, dass wir aus der Taufe leben:

Staunend, unerschrocken, voller Freude.»

 

Das Lied hört mit der Erinnerung an die Freude auf, mit welcher wir in die Kirche gekommen sind. Es ist auch eine Bitte: dass wir aus der Taufe leben. Staunend, unerschrocken, voller Freude.

Staunend über das Leben, unerschrocken die Herausforderungen angehend und dabei voller Freude, Lebensfreude sein und bleiben!

Dies wäre zum Schluss mein Wunsch für den Täufling, seine Familie, die Taufgemeinde und Euch alle, die es jetzt lesen, gewesen!

 

9 Intermezzo

Hier hätte ich gerne ein Lied aus der Anglikanischen Tradition gehabt. Die Anglikanische Kirche folgt in ihrem Gottesdienst die traditionelle Liturgie, kann sie aber auch mit volkstümlichen Liedern verbinden. Hier zum Beispiel ein Lied zur Begleitung durchs Leben: «Guide me, o thou great redeemer» («Führe mich, o grosser Heiland.»)

https://youtu.be/ninjX4uLODY

 

10 Mitteilungen und Gebet

1) Der Film «Jesus von Montreal» und das anschliessende Gespräch fallen aus.

2) Nächster Sonntag, Palmsonntag, hätten wir die Konfirmationsfeier in Maladers gehabt. Pfarrer Fritz Peer, der euch alle herzlich grüssen lässt, hätte diese gestaltet, da ich in Jenins die Konfirmation gestaltet hätte. Die Konfirmationen sind verschoben auf einem späteren Zeitpunkt verschoben worden.

3) Die nächstfolgenden Predigten wären somit am Karfreitag, 11. April, und Ostersonntag, 13. April, gefallen. Zum Karfreitag und zu Oster werde ich wieder versuchen einen imaginären Gottesdienst zu schreiben.

4) Die Kollekte ist für die Aktion «Brot für Alle» bestimmt. Sie können per E-Banking eine Spende überweisen: Brot für Alle hat die IBAN CH95 0900 0000 4000 0984 9. KONTONR 40-984-9

Der Link im Internet: https://brotfueralle.ch/fuer-kirchgemeinden/spenden-und-projekte/

 

Ich hätte dann zum Gebet eingeladen. Wie beten wir? Eine Kerze anzünden, kann auch schon eine Art von Gebet sein. Wir zünden die Kerze an und denken dabei an jemand, der uns lieb war oder ist. Wir können uns auch die Bitten des Vaterunsers zu Herzen nehmen. Das Vaterunser ist das bekannteste Gebet der Christen, es soll auf Jesus selbst zurückgehen. In zwei Evangelien ist überliefert, wie Jesus seine Jünger damit gelehrt hat zu beten. Das Vaterunser verbindet die weltweite Christenheit und ist in viele Sprachen übersetzt. In jedem Gottesdienst wird es gesprochen, dazu läuten vielerorts die Glocken.

 

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

Matthäusevangelium 6,9-13

(https://www.ekd.de/Vater-unser-10784.htm)

 

11 Ein Gedicht zum Schluss

Gerne hätte ich hier wieder einmal ein Gedicht von Erich Kästner aus der Sammlung «Dreizehn Monate» gelesen. Ich gebe noch einen Link an, wo Sie dieses Gedicht in einer Hör-fassung finden: https://www.deutschelyrik.de/der-maerz.html

 

Der März

 

Sonne lag krank im Bett.

Sitzt nun am Ofen.

Liest, was gewesen ist.

Liest Katastrophen.

 

Springflut und Havarie,

Sturm und Lawinen, -

gibt es denn niemals Ruh

drunten bei ihnen.

 

Schaut den Kalender an.

Steht drauf: "Es werde!"

Greift nach dem Opernglas.

Blickt auf die Erde.

 

Schnee vom vergangenen Jahr

blieb nicht der gleiche.

Liegt wie ein Bettbezug

klein auf der Bleiche.

 

Winter macht Inventur.

Will sich verändern.

Schrieb auf ein Angebot

aus andern Ländern.

 

Mustert im Fortgehn noch

Weiden und Erlen.

Kätzchen blühn silbergrau.

Schimmern wie Perlen.

 

In Baum und Krume regt

sich's allenthalben.

Radio meldet schon

Störche und Schwalben.

 

Schneeglöckchen ahnen nun,

was sie bedeuten.

Wenn Du die Augen schließt,

hörst Du sie läuten.

https://lyricstranslate.com

 

12 Lied zum Segen

Normalerweise hätte ich die Gemeinde eingeladen in den Alltag zurück zu gehen. Aber jetzt müssen wir zu Hause bleiben. Dazu können wir uns Kraft zum Ausharren wünschen.

Und deshalb hätte ich dann unserer Organistin Sybille gebeten zu spielen: «Komm, Herr, segne uns», Nr. 343 in unserem Gesangbuch. Dazu ein Link aus dem Deutschen Gesangbuch: https://www.youtube.com/watch?v=OWTBsirPN5U&list=RDOWTBsirPN5U&index=1

 

13 Segen

Segensworte aus dem evangelischen Kloster Kirchberg in Baden-Württemberg.

 

Gott, der Barmherzige, sei mit Dir.

Er bleibe dein Hüter bei Tag und bei Nacht.

Er segne und tröste dich allezeit.

Er mache dir alle deine Wege leicht.

Er gebe dir Kraft, wenn du müde bist.

Er behüte deine Seele, sein Eigentum.

Und segne deinen Ausgang und Eingang

von nun an bis in Ewigkeit.

 

13. Ausklang

Und was hätte unsere Organistin hier gespielt? Wenn ich Organist wäre (Als Kind wollte ich das gerne werden), dann hätte ich vielleicht eine Bearbeitung von einem Choral gewählt, in welchem auf unsere Zuversicht Bezug genommen wird. Im Liedboek der Kerken, das Gesangbuch der Protestanten in den Niederlanden gibt es ein Lied über die Zukunft: «Wat de toekomst brengen moge» («Was die Zukunft auch bringen möge.»). Es wird auch auf der Melodie von «The Rose» gesungen. Der Link zu einer Orgelversion: https://www.youtube.com/watch?v=D_iumwCDRPU Und der Link zu einer Aufzeichnung mit Gemeindegesang: https://youtu.be/rX6yar8Mwug