Die Karwoche 2020

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Die Karwoche in den Kirchgemeinden Steinbach (Passugg-Praden-Tschiertschen) und Maladers
Durch Covid-19 finden diese Gottesdienste nicht statt. Den Skript zu den Gottesdiensten finden Sie hier. Auf eventuelle Rückmeldungen, Fragen, Anregungen, usw freue ich mich!
Die Gottesdienste sind auch einzeln abrufbar.
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Palmsonntag

1 Zur Eröffnung – Orgeleingangsspiel

Wir hätten uns vorbereitet auf den Gottesdienst. An der Orgel würde vielleicht eine Bearbeitung von einem Kirchenlied, welche in dieser Woche passt, gespielt worden sein.

Ich denke hier an eine Bearbeitung von Harals Genzmer (1909-2007) vom Sonntagslied für den Palmsonntag „Du grosser Schmerzensmann“: https://youtu.be/Qbco1_YJvwU

2 Begrüssung und Eröffnung

Das Wort zur Begrüssung am Palmsonntag ist ein Zitat aus dem Evangelium nach Johannes:

„Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben“, Joh 3,14b.15.

Mit diesem Wort sind wir schon beim Thema der Passionszeit. Die Erhöhung worüber bei Johannes die Rede ist, wird als Hinweis auf die Kreuzigung betrachtet. Das Evangelium nach Johannes ist das jüngste der vier im Neuen Testament aufgenommenen Evangelien. Vermutlich entstand es um die Zeit zwischen 100 und 150 u.Z. Es enthält auch schon mehr christologische Ansichten als die anderen drei Evangelien. Die Christologie ist die Deutung Jesu als Heiland für die Christen.

Durch Jesus aus Nazareth, der als Jude gekreuzigt wurde und starb, der uns den Weg zum Gott Israels als unser Christus zeigt, bekennen wir mit Worten aus den Psalmen, dass:

Unsere Hilfe steht im Namen des Ewigen,

der Himmel und Erde gemacht hat und ewig Treue hält.

Amen

 

3 Wochenpsalm: Ps 69,2–4.8–10.14.21b–22.30

2 Gott, hilf mir!

Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.

3 Ich versinke in tiefem Schlamm,

wo kein Grund ist; ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.

4 Ich habe mich müde geschrien,

mein Hals ist heiser. Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.

8 Denn um deinetwillen trage ich Schmach,

mein Angesicht ist voller Schande.

9 Ich bin fremd geworden meinen Brüdern

und unbekannt den Kindern meiner Mutter;

 

10 denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen,

und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.

14 Ich aber bete, Herr, zu dir zur Zeit der Gnade;

Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

Ich warte, ob jemand Mitleid habe,

aber da ist niemand,

und auf Tröster,

aber ich finde keine.

 

22 Sie geben mir Galle zu essen

und Essig zu trinken für meinen Durst.

 

30 Ich aber bin elend und voller Schmerzen.

Gott, deine Hilfe schütze mich!

4 Gesang - „Ehre sei dir Christe“

https://youtu.be/gRCzYpIDM8A

5 Gebet für den Palmsonntag

Das Eröffnungsgebet vor den Lesungen für den Palmsonntag:

Gott, unser Erbarmen.

Du lässt uns das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus zu unserm Heil verkündigen. Gib uns ein offenes Herz, dass wir seine Liebe und seinen Gehorsam erkennen und ihm nachfolgen, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

6 Erste Lesung aus dem Alten Testament: Jes 50,4-9

4 Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. 5 Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. 6 Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. 7 Aber Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiss, dass ich nicht zuschanden werde. 8 Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir! 9 Siehe, Gott der Herr hilft mir; wer will mich verdammen? Siehe, sie alle werden wie ein Kleid zerfallen, Motten werden sie fressen.

7 Zwischenspiel oder Zwischengesang: Psalm 69 aus dem Genfer Psalter

https://youtu.be/_HlgifFVS-I?list=PL15DF46D76CA72F5E

https://youtu.be/lA8YkyxmH_E

(Die 150 Psalmen der Bibel wurden im Auftrag der Genfer Reformatoren, zusammen mit einigen anderen biblischen Texten als "Genfer Psalter" zum Gebrauch im reformierten Gottesdienst herausgegeben. Es war lange üblich diese ohne Begleitung, dafür aber vierstimmig, zu singen.

8 Lesung aus den Briefen (Epistellesung): Phil 2,5-11

Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,sondern entäusserte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, 10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, 11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

9 Sonntagslied: „Herr, stärke mich dein Leiden zu bedenken“

https://youtu.be/xFEDpdHWOA0

10 Lesung aus dem Evangelium: Joh 12,12-19

12 Als am nächsten Tag die grosse Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, 13 nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! 14 Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): 15 »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« 16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte. 17 Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. 18 Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. 19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

11 Zwischenspiel

In einem modernen Kirchenlied finden wir die Verbindung zwischen dem Kreuz Jesu und der Vorstellung vom Lebensbaum:

„Du schöner Lebensbaum des Paradieses, gütiger Jesus, Gotteslamm auf Erden. Du bist der wahre Retter unsres Lebens, unser Befreier“

Dazu gibt es eine Improvisation im Internet: https://youtu.be/B8p0yWR8xH8

12 Gedanken zur Karwoche

Mit dem Palmsonntag fängt die Heilige Woche an.

Die Bezeichnung Heilige Woche ist vor allem in den römisch-katholischen und christkatholischen Kirchen die Bezeichnung für was wir als Karwoche kennen. Sie dauert in diesem Jahr vom Sonntag, 5. April bis zum Samstag, 12. April.

Der Name Karwoche kommt vom althochdeutschen Wort kara, was „Klage“, „Kummer“, „Trauer“ meint. Das althochdeutschen kara finden wir noch im englischen care, „Sorge, Kummer“ wieder.

Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag und geht in der Feier der Osternacht über in das Osterfest.

Es ist die heiligste Woche in der Kirche, denn es wird der Einsetzung des Abendmahls oder der Eucharistie, des Leidens und Sterbens Jesu gedacht. Der Karsamstag, der die Woche beschliesst, gilt als Tag der Trauer, weil der Grabesruhe Jesu gedacht wird. Sowohl am Karfreitag als am Karsamstag feiern die römisch-katholischen und die christkatholischen Kirchen keine Messe. Die Glocken schweigen. Die Glocken läuten wieder beim Singen des Glorias der Osternachtfeier.

Auch die Orgel verstummt oft in dieser Woche. Erst in der Osternachtfeier erklingt sie und begleitet die Gemeinde in der Feier.

In evangelischen Kirchen kennen wir den Brauch während der Woche Andachten zu gestalten.

In dieser Woche gibt es vielerorts Aufführungen von kirchenmusikalischen Meisterwerken wie die Passionen von Komponisten der Vergangenheit. Oder Musicals wie Jesus Christ Superstar. Weiter hat diese Woche zu Passionsspielen und Filmen inspiriert.

Die Erzählungen der Passion Jesu wird in dieser Woche aus den vier Evangelien gelesen und wie folgt aufgeteilt: am Montag die Passion Jesu nach Matthäus, Mt 26,6-27,56, am Dienstag nach Markus, Mk (14,17-72)15,1-41, am Mittwoch nach Lukas, Lk 22,1-23,49 und am Karfreitag nach Johannes, Joh 18,1-19,37.

In diesem Jahr fallen das jüdische Osterfest, Pessach, und der Gedenktag des Todes von Dietrich Bonhoeffer auch in dieser Woche. Am Mittwoch, dem 8. April feiern die Juden Pessach. Der diesjährige Gründonnerstag, der 9. April fällt zusammen mit dem 75. Todestag von Dietrich Bonhoeffer.

Pessach spielt in den Evangelien eine wichtige Rolle.

In evangelischen Gemeinden gibt es auch Gottesdienste am Gründonnerstag. Im Zentrum steht dabei die Einsetzung des Abendmahls oder der Eucharistie, wie es in den katholischen Kirchen heisst. Eucharistie leitet sich vom griechischen Verbe für Danksagen ab. In der Lesung aus dem Evangelium wird über das Dankgebet das Jesus und seiner Jüngerschaft sprachen oder sangen, erzählt. Bei diesem Danken begegnen wir auch den Ruf „Halleluja“. Das bedeutet: „lobt“, „singt“ Gott. Dabei werden die Psalmen 113 bis 118 rezitiert.

Solang es den Tempel in Jerusalem gab, wurde erwartet dass die Juden die grosse Feste im Tempel feiern würden. Deshalb erzählen drei Evangelien wie Jesus sich auf dem Weg macht. Er geht von Galiläa nach Jerusalem. Dort findet eine Erhöhung statt, die natürlich alles andere als ehrenvoll ist, denn er wird gekreuzigt. Die Kreuzigung war bei den Römern die Todesstrafe für politische Rebellion. Die Inschrift auf dem Kreuz drückt dies auch aus: Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum, abgekürzt: I.N.R.I. In Johannes 19,19f. wird erwähnt, dass diese Inschrift auf Befehl des römischen Statthalters dreisprachig auf Hebräisch, Latein und Griechisch abgefasst war und am Kreuz befestigt wurde.

Das Evangelium nach Johannes erzählt dreimal von einem Aufenthalt Jesu zur Feier des Pessachfestes. Die Lesung am Palmsonntag beschreibt den Einzug Jesu in Jerusalem. Dieser Einzug bei welchem Menschen Palmzweige schwingen und Jesu als Retter mit ihrem „Hosianna“ begrüssen, ist der Anfang einer Woche in welchem das Leben Jesu gewaltsam zu Ende kommt.

Die Kirche hat in ihrer Deutung des Leidens und Sterbens Jesu Texte aus dem prophetischen Buch Jesaja über einen leidenden Knecht Gottes übernommen. Jesus wurde mit diesem leidenden Gottesknecht gleichgesetzt. Noch andere Deutungen kamen hinzu, wie den Vergleich der von Abraham geplanten Opferung Isaaks mit der Kreuzigung Jesu als Opfer.

Sowohl bei der Messfeier als bei der evangelischen Abendmahlsfeier kennen wir das Bittlied:

 

„Christe, du Lamm Gottes,

der du trägst die Sünd der Welt,

erbarm dich unser. (2x)

 

Christe, du Lamm Gottes,

der du trägst die Sünd der Welt,

gib uns deinen Frieden.“

 

Allzu sehr haben wir in den Kirchen den Tod Christi als Versöhnung für die Sünden der Welt betont. Wir können das Leiden und Sterben Jesu auch sehen als eine konsequente Folge seines Auftretens. Das Leiden und Sterben Jesu als Opfer deuten, missachtet der jüdische Zusammenhang der Passion Jesu.

Wie gesagt: auf dem Hintergrund der Passion Jesu steht Pessach.

Pessach ist das Fest der Befreiung aus dem Sklavenhaus. Befreiung ist ein politischer Begriff. Der Nahe Osten war zurzeit Jesu ein Pulverfass. Die Erzählungen über die Befreiung Israels konnten – wie auch belegt – zu Aufständen führen. Dass Jesus und seine Bewegung als Bedrohung für die römische Besatzung betrachtet wurden, scheint dieses Inschrift I.N.R.I. nahezulegen.

 

Wenn wir jetzt in diesem Jahr wegen Covid-19 am Haus gebunden sind, können wir den Text lesen, welche Jesus und seine Jünger lasen als sie zusammen Pessach feierten: die Erzählung vom Auszug aus Ägypten.

Die Exodus-Erzählung ist eine Darstellung wie Gott das Leben will. Gott hört wie sein Volk leidet und um Befreiung schreit. Gott schickt dem Pharao, damals der mächtigste Mann der Welt, Hinweise, wie er die versklavten Hebräer die Freiheit geben soll.

Weil Pharao, der sich selber als eine göttliche Gestalt betrachtet, nicht hören will, keine Einsicht zeigt, beschwört er die Katastrophe über sein Volk mit dem Tod der Kinder. Die Kinder sind eine Anspielung auf die Zukunft. Deshalb weigert Moses auch auf das Angebot des Pharaos einzugehen, wenn Pharao ihm erlaubt mit den Erwachsenen weg zu ziehen, aber die Kinder (= die Zukunft) zurück zu lassen.

Immer wieder wird in der Bibel betont, dass Gott ein Gott des Lebens ist. Gott will keine Opfer, werden später die Propheten betonen, sondern Gott will eine Gesellschaft in welchem die Menschen ein menschenwürdiges Leben in Freiheit führen können. Religion als kultische Handlung, nur das Ritual an sich macht keinen Sinn. Die Verbindung mit dem Leben, mit der Zukunft hat der Antrieb für die religiöse Handlung zu sein. Deshalb lässt der Evangelist Matthäus Jesus betonen, dass er nicht gekommen sei um die Weisungen Moses aufzuheben, sondern um sie zu erfüllen. Indem er diese erfüllt, betont er auch ihre Gültigkeit. So kann das Wort mit welchem wir den Gottesdienst eröffneten, verstanden werden: „Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben“, Joh 3,14b.15.

Gott wird in der Bibel als „der Ewige“ gedeutet. Ein „ewiges Leben“ können wir deshalb auch verstehen als ein Leben das mit Gott im Einklang ist und nicht als ein „unendliches Leben“. Dieses „ewige Leben“ ermöglicht uns unsere Bestimmung – Mensch zu sein – zu erfüllen. Deshalb sendet der Auferstandene im Evangelium nach Matthäus seine Jüngerschaft hinaus und beauftragt sie zu lehren was er gelernt hat.

13 Zwischenspiel

Ein Kirchenlied aus den Niederlanden handelt über das Kreuz, das Jesus trägt und das zum „Baum des Lebens“ wird: https://youtu.be/o5tkppa4Deo

Ein niederländisches Lied, das über unsere Bestimmung – Mensch zu sein – spricht, heisst: „Ein Mensch zu sein auf Erden“: https://youtu.be/eDlxu7nocxE

„Ein Mensch zu sein auf Erden in dieser Welt

heisst leben aus der Gnade, ausserhalb der Ewigkeit

heisst leben aus den Wörtern die aufgeschrieben sind,

und genau wie Jesus werden, der es uns vorgelebt hat.

 

Ein Mensch zu sein auf Erden in dieser Welt

ist aus dem Wasser kommen und in der Wüste stehn,

kein Gott unter den Göttern, kein Engel und kein Tier,

ein Lebender, ein Toter, ein Mensch in Wind und Feuer.

 

Ein Mensch zu sein auf Erden in dieser Welt

das heisst den Geist annehmen, der zum Leben führt,

die Menschen nicht verlassen, Gottes Wort zugewandt sein,

das heisst auf dieser Erde dem Bösen widerstehn.“

14 Mitteilungen

Die Abendmahlsfeier fällt in diesem Jahr sowohl am Karfreitag als am Ostersonntag aus. Es besteht die Möglichkeit via E-Banking Spenden zu überweisen an folgende Organisationen: Hilfswerk der Evangelischen Kirche der Schweiz, Caritas Schweiz, Brot für Alle, Fastenopfer, Médecins sans Frontières.

15 Gebet

Beim Gebet können wir uns vom „Unser Vater“ inspirieren lassen. Jede einzelne Bitte können wir überdenken. Wir können uns fragen, wie wir diese Bitte in unserem Alltag gestalten können. Beim anzünden einer Kerze können wir an Menschen denken, die uns jetzt fehlen. Vielleicht rufen wir, wenn möglich, mal an. Sich erkundigen, wie es einem geht. Das Gebet können wir uns als Brücke zu Gott vorstellen. Wenn wir eine Brücke zu einem Mitmenschen bauen, bauen wir die Brücke zu Gott ebenfalls. Denn Gott können wir nur in unserem Gegenüber begegnen.

 

Das Vaterunser ist das bekannteste Gebet der Christen, es soll auf Jesus selbst zurückgehen. In zwei Evangelien ist überliefert, wie Jesus seine Jünger damit gelehrt hat zu beten. Das Vaterunser verbindet die weltweite Christenheit, egal zu welcher Glaubensrichtung sie gehören. In jedem Gottesdienst wird es gesprochen, dazu läuten vielerorts die Glocken. Ich habe hier die Version der Evangelischen Kirche in Deutschland übernommen:

 

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

(Matthäusevangelium 6,9-13)

(https://www.ekd.de/Vater-unser-10784.htm)

16 Lied zum Segen

Am 9. April 1945 starb der 1906 in Bresslau geborene Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenburg. Er wurde am 5. April 1943 verhaftet und zwei Jahre später als einer der letzten NS-Gegner hingerichtet.

In seinen Gefängnisbriefen entwickelte er Gedanken für eine künftige Ausrichtung der Kirche nach dem Krieg. Seine Gedanken führten ihn auch zu einer nichtreligiösen Interpretation von Bibel, kirchlicher Tradition und Gottesdienst. Er betonte eine Neuausrichtung der Kirche in welcher das Alte Testament nicht auf das Neue Testament hin zu lesen und zu verstehen wäre, sondern umgekehrt, das Neue vom Alten her.

Bekannt sind seine Worte, die immer wieder Menschen in schweren Zeiten Hoffnung schenken wollen: „Von guten Mächten wunderbar geborgen.“

Dieses Lied kennen die meisten von uns in einer Fassung von Siegfried Fietz:

https://youtu.be/0m3C7sQw34w

17 Segensworte

Segensworte aus dem Kloster Kirchberg (Schwarzwald) der Evangelischen Michaelsbruderschaft:

Gott, der Barmherzige, sei mit Dir.

Er bleibe dein Hüter bei Tag und bei Nacht.

Er segne und tröste dich allezeit.

Er mache dir alle deine Wege leicht.

Er gebe dir Kraft, wenn du müde bist.

Er behüte deine Seele, sein Eigentum.

Und segne deinen Ausgang und Eingang

von nun an bis in Ewigkeit.

18 Musik zum Ausklang

Wäre eine feierliche Musik, wie die Toccata und Fuge in d-Moll von Johann Sebastian Bach (1685-1750) hier angebracht? https://youtu.be/ho9rZjlsyYY

Oder wäre eine Bearbeitung aus dem Musical Jesus Christ Superstar geeigneter?

Hier eine Version aus der Evangelischen Kirchengemeinde Neulussheim (D): https://youtu.be/Ys6F8hlnkus

Musik zum Ausklang: https://youtu.be/MXvaeMWkYrE

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Gründonnerstag

Am 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenburg hingerichtet. Der 9. April 1945 war der Montag in der zweiten Woche nach Ostern.

In der Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz ist es nicht üblich am Gründonnerstag einen Gottesdienst zu gestalten.

Für diesen Gründonnerstag gebe ich hier einige Gedanken von und über Dietrich Bonhoeffer wieder.

Ich gestalte dies als würde ich in der Kirche eine Andacht mit Texten von Dietrich Bonhoeffer abhalten.

1 Orgeleingangsspiel

In der Karwoche gedenken wir des Leidens und Sterbens Christi. Zugleich können wir eine Verbindung machen zu allen Menschen, die in dieser Welt wegen ihrer Überzeugung, ihres Glaubens, ihres Mensch-Seins verfolgt oder ermordet werden. Deshalb eine Einladung über die Sündhaftigkeit aller, die dies nicht verhindern, nach zu denken:

Von Johann Sebastian Bach (1685-1750) „O Mensch, bewein dein Sünde gross“.

https://youtu.be/pClKYAArUFA

2 Begrüssung

2 Gott sei uns gnädig und segne uns,

er lasse uns sein Antlitz leuchten, – SELA

3 dass man auf Erden erkenne deinen Weg,

unter allen Heiden dein Heil.

Mit diesem Wort aus Psalm 67 eröffnen wir unsere Besinnung an diesem Gründonnerstag, dem 9. April 2020. An diesem Datum wurde 1945 Dietrich Bonhoeffer hingerichtet. Seit 1943 war er wegen seines Widerstands gegen die Naziherrschaft verhaftet worden. Im Gefängnis hat er Texte geschrieben, die von seinem Freund Eberhard Bethge unter dem Titel „Widerstand und Ergebung“ herausgegeben wurden. Der wohl bekannteste Text ist das Lied, das immer wieder Menschen Trost spendet: Von guten Mächten wunderbar geborgen.

Mit den „guten Mächten“ machte Bonhoeffer eine Anspielung auf die Vorstellung von Engeln, die Menschen begleiten.

3 Gesang „Von guten Mächten wunderbar geborgen“

https://youtu.be/ji6a0T8V7fQ / https://youtu.be/0m3C7sQw34w

4 Gebet

Wir beten mit einem Text von Dietrich Bonhoeffer:

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,
flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot
um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.
Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,
finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
sehen ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.
Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.
Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,
stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod,
und vergibt ihnen beiden.

5 Zwischenspiel - „Aus tiefer Not, schrei ich zu Dir.“ von Georg Böhm (1631-1733)

https://youtu.be/lnjntY-8TDo

6 Erster Text

Aus dem ersten theologischen Brief an Eberhard Bethge zur Frage nach einem „religionslosen Christentum“.

„In diesen Wochen wird man dann innerlich sehr fest sein müssen, und ich wünsche Dir, dass Du es sein kannst. Man muss alles an Gedanken zusammennehmen, um über nichts zu erschrecken. Ich bin im Blick auf das Kommende fast geneigt, das biblische „es muss geschehen“ zu zitieren, und ich empfinde etwas von der 1. Petr 1,12 erwähnten „Neugierde“ der Engel („... was auch die Engel gelüstet zu schauen.“, wie Gott das scheinbar Unlösbare sich nun zu lösen anschickt. ...

 

Um mich brauchst Du Dir bitte wirklich gar keine Sorgen zu machen; es geht mir unverhältnis-mässig gut, und Du würdest Dich wundern, wenn Du mich besuchen kämest. Die Leute hier sagen mir immer wieder, - was mir, wie Du siehst, stark schmeichelt – dass von mir „eine solche Ruhe ausstrahle“ und dass ich „immer so heiter“ sei, - so dass meine gelegentlichen persönlichen gegenteiligen Erfahrungen mit mir selbst wohl auf einer Täuschung beruhen müssen (was ich allerdings durchaus nicht wirklich glaube!). Dich wundern oder vielleicht sogar Sorgen machen würden Dir höchstens meine theologischen Gedanken mit ihren Konsequenzen, und hierin fehlst Du mir nun wirklich sehr; denn ich wüsste nicht, mit wem ich sonst überhaupt so darüber sprechen könnte, dass es für mich eine Klärung bedeutet. Was mich unablässig bewegt, ist die Frage was das Christentum oder auch wer Christus heute für uns eigentlich ist. Die Zeit, in der man das den Menschen durch Worte – seien es theologische oder fromme Worte – sagen könnte, ist vorüber; ebenso die Zeit der Innerlichkeit des Gewissens, und d.h. eben die Zeit der Religion überhaupt. Wir gehen einer völlig religionslosen Zeit entgegen; die Menschen können einfach, so wie sie nun einmal sind, nicht mehr religiös sein. Auch diejenigen, die sich ehrlich als „religiös“ bezeichnen, praktizieren das in keiner Weise; sie meinen also vermutlich mit „religiös“ etwas ganz anderes. Unsere gesamte 1900jährige christliche Verkündigung und Theologie aber baut auf dem „religiösen Apriori“ (alle Menschen können glauben, ob sie religiös oder irreligiös sind) auf. „Christentum“ ist immer eine Form der „Religion“ gewesen. Wenn nun aber eines Tages deutlich wird, dass dieses „Apriori“ gar nicht existiert, sondern dass es eine geschichtlich bedingte und vergängliche Ausdrucksform des Menschen gewesen ist, wenn also die Menschen wirklich radikal religionslos werden – und ich glaube, dass das mehr oder weniger bereits der Fall ist (woran liegt es z.B. dass dieser Krieg im Unterschied zu allen bisherigen eine „religiöse“ Reaktion nicht hervorruft?) - was bedeutet das dann für das „Christentum“? Unserem ganzen bisherigen „Christentum“ wird das Fundament entzogen,...

 

Wie kann Christus der Herr auch der Religionslosen werden? Gibt es religionslose Christen? Wenn die Religion nur ein Gewand des Christentums ist... was ist dann ein religionsloses Christentum? ... Die zu beantwortenden Fragen wären doch: was bedeutet eine Kirche, eine Gemeinde, eine Predigt, eine Liturgie, ein christliches Leben in einer religionslosen Welt? Wie sprechen wir von Gott – ohne Religion, d.h. eben ohne die zeitbedingten Voraussetzungen der Metaphysik, der Innerlichkeit etc. etc.? Wie sprechen (oder vielleicht kann man eben nicht einmal mehr davon „sprechen“ wie bisher) wir „weltlich“ von „Gott“, wie sind wir „religionslos-weltlich“ Christen, wie sind wir Ek-klèsia, Herausgerufene, ohne uns religiös als Bevorzugte zu verstehen, sondern vielmehr als ganz zur Welt Gehörige? Christus ist dann nicht mehr Gegenstand der Religon, sondern etwas ganz anderes, wirklich Herr der Welt. Aber was heisst das? ...

 

Die Religiösen sprechen von Gott, wenn menschliche Erkenntnis (manchmal schon aus Denkfaulheit) zu Ende ist oder wenn menschliche Kräfte versagen... das Reden von den menschlichen Grenzen ist mir überhaupt fragwürdig geworden (ist selbst der Tod heute, da die Menschen ihn kaum noch fürchten, und die Sünde, die die Menschen kaum noch begreifen, noch eine echte Grenze?), es scheint mir immer, wir wollten dadurch nur ängstlich Raum aussparen für Gott; - ich möchte von Gott nicht an den Grenzen, sondern in der Mitte (im Leben), nicht in den Schwächen, sondern in der Kraft, nicht also bei Tod und Schuld, sondern im Leben und im Guten des Menschen sprechen. An den Grenzen scheint es mir besser, zu schweigen und das Unlösbare ungelöst zu lassen. Der Auferstehungsglaube ist nicht die „Lösung“ des Todesproblems. Das „Jenseits“ Gottes ist nicht das Jenseits unseres Erkenntnisvermögens! Die erkenntnistheoretische Transzendenz hat mit der Transzendenz Gottes nichts zu tun. Gott ist mitten in unserem Leben jenseitig. Die Kirche steht nicht dort, wo das menschliche Vermögen versagt, an den Grenzen, sondern mitten im Dorf. So ist es alttestamentlich, und in diesem Sinne lesen wir das N.T. noch viel zu wenig vom Alten her. Wie dieses religionslose Christentum aussieht, welche Gestalt es annimmt, darüber denke ich nun viel nach ...“

7 Lied Nr. 451 „Holz auf Jesu Schulter“

https://youtu.be/QPwOk-8IdaU

8 Zweiter Text

Aus dem 2. Theologischen Brief vom 27.6.44:

 

„Im Unterschied zu den anderen orientalischen Religionen ist der Glaube des A.T. keine Erlösungsreligion. Nun wird doch aber das Christentum immer als Erlösungsreligion bezeichnet. Liegt darin nicht ein kardinaler Fehler, durch den Christus vom A.T. getrennt und von den Erlösungmythen her interpretiert wird? Auf den Einwand, dass auch im A.T. die Erlösung (aus Ägypten und später aus Babylon, vgl. Deuterojesaja) eine entscheidende Bedeutung habe, ist zu erwidern, dass es sich hier um geschichtliche Erlösungen handelt, d.h. diesseits der Todesgrenze, während überall sonst die Erlösungsmythen gerade die Überwindung der Todesgrenze zum Ziel haben. Israel wird aus Ägypten erlöst, damit es als Volk Gottes auf Erden vor Gott leben kann. Die Erlösungsmythen suchen ungeschichtlich eine Ewigkeit nach dem Tod. ...

 

Nun sagt man, das Entscheidende sei, dass im Christentum die Auferstehungshoffnung verkündigt würde, und dass salso damit eine echte Erlösungsreligion entstanden sei. Das Schwergewicht fällt nun auf das Jenseits der Todesgrenze. Und eben hierin sehe ich den Fehler und die Gefahr. Erlösung heisst nun Erlösung aus Sorgen, Nöten, Ängsten und Sehnsüchten, aus Sünde und Tod in einem besseren Jenseits. Sollte dies aber wirklich das Wesentliche der Christusverkündigung der Evangelien und des Paulus sein? Ich bestreite das. Die christliche Auferstehungshoffnung unterscheidet sich von den mythologischen darin, dass sie den menschen in ganz neuer und gegenüber dem A.T. noch verschärfter Weise an sein Leben auf der Erde verweist. Der Christ hat nicht wie die Gläubigen der Erlösungsmythen aus den irdischen Aufgaben und Schwierigkeiten immer noch eine letzte Ausflucht ins Ewige, sondern er muss das irdische Leben wie Christus („mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“) ganz auskosten und nur indem er das tut, ist der Gekreuzigte und Auferstandene bei ihm und ist er mit Christus gekreuzigt und auferstanden. Das Diesseits darf nicht vorzeitig aufgehoben werden. Darin bleiben N.T. und A.T. verbunden. Erlösungsmythen entstehen aus den menschlichen Grenzerfahrungen. Christus aber fass den menschen in der Mitte seines Lebens.“

9 Zwischenspiel: Sarabande von Georg Friedrich Händel

https://youtu.be/FzNZiaeABWU

10 Mitteilungen

Die Abendmahlsfeier fallen in diesem Jahr sowohl am Karfreitag als am Ostersonntag aus. Es besteht die Möglichkeit via E-Banking Spenden zu überweisen an folgende Organistaionen: Hilfswerk der Evangelischen Kirche der Schweiz, Caritas Schweiz, Brot für Alle, Fastenopfer, Médecins sans frontières.

11 Gebet

Beim Gebet können wir uns vom „Unser Vater“ inspirieren lassen. Jede einzelne Bitte können wir überdenken. Wir können uns fragen, wie wir diese Bitte in unserem Alltag gestalten können. Beim anzünden einer Kerze können wir an Menschen denken, die uns jetzt fehlen. Vielleicht rufen wir, wenn möglich, mal an. Sich erkundigen, wie es einem geht. Das Gebet können wir uns als Brücke zu Gott vorstellen. Wenn wir eine Brücke zu einem Mitmenschen bauen, bauen wir die Brücke zu Gott ebenfalls. Denn Gott können wir nur in unserem Gegenüber begegnen.

Das Vaterunser ist das bekannteste Gebet der Christen, es soll auf Jesus selbst zurückgehen. In zwei Evangelien ist überliefert, wie Jesus seine Jünger damit gelehrt hat zu beten. Das Vaterunser verbindet die weltweite Christenheit, egal zu welcher Glaubensrichtung sie gehören. In jedem Gottesdienst wird es gesprochen, dazu läuten vielerorts die Glocken. Ich habe hier die Version der Evangelischen Kirche in Deutschland übernommen:

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

(Matthäusevangelium 6,9-13)

(https://www.ekd.de/Vater-unser-10784.htm)

12 Lied Nr. 320 „Dank sei Dir, Vater, für das ewge Leben“

https://youtu.be/9qFAdR_nLjE

13 Segen

Bonhoeffer schreibt in seinem Brief vom 21.XI.43:

Ich habe die Anweisung Luthers sich „mit dem Kreuz zu segnen“ bei Morgen- und Abendgebet ganz von selbst als eine Hilfe empfunden... Erschrick nicht! Ich komme bestimmt nicht als „homo religiosus“ von hier heraus! Ganz im Gegenteil, mein Misstrauen und meine Angst vor der „Religiosität“ sind hier noch grösser geworden als je. Dass die Israeliten den Namen Gottes nie aussprechen, gibt mir immer wieder zu denken und ich verstehe es immer besser.

So bitten wir:

Der Ewige segne und behüte dich,

Der Ewige lasse Sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,

Der Ewige erhebe Sein Angesicht auf euch und gebe dir Frieden.

Amen

Lied Nr. 168 „Hewenu schalom“

https://youtu.be/FZ3OzYpWMx0

14 Ausgangsspiel

Zum Ausklang fand ich im Internet folgende Aufnahme aus der St. Bavokathedrale meines Geburtsortes, Gent: https://youtu.be/-Pe0j6n30P0

 

 

 

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Karfreitag

Seit mehreren Jahren habe ich am Karfreitag den Text der Passion gelesen. Wer den Text liest, kann seine Gedanken machen. Ich habe hier die Version vom Katholischen Bibelwerk übernommen. In der römisch-katholischen Kirche gibt es drei Lesejahre. In diesem Jahr ist es die Lesung der Passion nach Johannes 18,1-19,42 aus Lesejahr A, 10. April 2020

 

Zu dieser Lesung schreibt das Bibelwerk:

Die öffentlichen Gottesdienste fallen derzeit aus. Wir vom Bibelwerk bieten in den kommenden Wochen daher an, die Lesungen der Sonntage und der Kar und Ostertage mit Impulsen als Lectio Divina, als geistliche Schriftlesung, zu lesen und sich so mit vielen anderen Christinnen und Christen in Schriftmeditation und Gebet zu verbinden. Das Wort Gottes lesen, sich von ihm beschenken zu lassen, den eigenen Blick weiten, nicht allein sein, Fürbitte für andere halten: so können wir uns miteinander verbinden und uns von Gott neue Perspektiven schenken lassen.

 

LECTIO DIVINA: IN EINEN DER LESUNGSTEXTE EINTAUCHEN UND SICH BESCHENKEN LASSEN

Gebet

Manchmal möchte ich weinen können

meinen Panzer durchbrechen

Manchmal möchte ich

zu Dir schreien am Tag und bei Nacht

Manchmal möchte ich ertragen können

die Last der Erdrückten

Manchmal möchte ich singen können

Lieder der Befreiung

Manchmal möchte ich wirklich lieben können

Menschen und Dich

Manchmal ist manchmal

am meisten

(Pierre Stutz nach Psalm 88,2)

Wir haben Johannes 1819 in sechs Leseabschnitte geteilt. Zu jedem Abschnitt finden Sie Impulsfragen. Sie können sich die einzelnen Textabschnitte auf bestimmte Uhrzeiten über den Karfreitag verteilt legen oder – wenn es Ihnen zu viel ist – einzelne Abschnitte (z. B. Abschnitte 5+6 zu Kreuzigung und Begräbnis) herausgreifen. Wenn Sie mögen, legen Sie zu Hause ein Kreuz auf den Tisch oder ein Bild mit einem Kreuz, das Sie anspricht oder das Sie kennen. Nach jedem Leseabschnitt können Sie ein Wort oder einen Satz aus dem Text, der Ihnen wichtig ist, aufschreiben und zum Kreuz legen. Oder Sie suchen in Ihrer Wohnung oder bei einem Spaziergang ein Symbol für den Textabschnitt und legen es hinzu.

Leiden und Sterben Jesu nach dem Johannesevangelium, Kapitel 18,1–19,42

(1) Joh 18,1-11: Im Garten mit den Jüngern

1 Nach diesen Worten ging Jesus mit seinen Jüngern hinaus, auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen Jüngern hinein. 2 Auch Judas, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war. 3 Judas holte die Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohepriester und der Pharisäer und kam dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen. 4 Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen sollte, ging hinaus und fragte sie: Wen sucht ihr? 5 Sie antworteten ihm: Jesus von Nazaret. Er sagte zu ihnen: Ich bin es. Auch Judas, der ihn auslieferte, stand bei ihnen. 6 Als er zu ihnen sagte: Ich bin es!, wichen sie zurück und stürzten zu Boden. 7 Er fragte sie noch einmal: Wen sucht ihr? Sie sagten: Jesus von Nazaret. 8 Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr also mich sucht, dann lasst diese gehen! 9 So sollte sich das Wort erfüllen, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast. 10 Simon Petrus, der ein Schwert bei sich hatte, zog es, traf damit den Diener des Hohepriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Diener aber hieß Malchus. 11 Da sagte Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat - soll ich ihn nicht trinken? Einheitsübersetzung 2016 © Kath. Bibelanstalt I

Ich lese den Text

Ich lese den Abschnitt in Ruhe (mehrfach) gründlich durch und versuche ihn zu erfassen.

Dabei helfen mir die Fragen:

Welche Personen und Personengruppen handeln? Welche Machtverhältnisse zeigen sich?

Wie wird Jesus dargestellt?

Der Text liest mich

Ich höre, was mir der Text für mein Leben und Glauben sagen kann:

Wie empfinde ich Macht und Ohnmacht in dieser Passage, wie die Souveränität Jesu? Wie wirkt die Gewalt des Petrus auf mich?

Wie höre ich ganz persönlich die Frage Jesu: Wen sucht ihr/suchst du?

 

(2) Joh 18,12-27: Das Verhör vor dem Hohepriester

12 Die Soldaten, der Hauptmann und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten ihn 13 und führten ihn zuerst zu Hannas; er war nämlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr Hohepriester war. 14 Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das Volk stirbt. 15 Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus. Dieser Jünger war mit dem Hohepriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des Hohepriesters. 16 Petrus aber blieb draußen am Tor stehen. Da kam der andere Jünger, der Bekannte des Hohepriesters, heraus; er sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus hinein. 17 Da sagte die Pförtnerin zu Petrus: Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen? Er sagte: Ich bin es nicht. 18 Die Knechte und die Diener hatten sich ein Kohlenfeuer angezündet und standen dabei, um sich zu wärmen; denn es war kalt. Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich. 19 Der Hohepriester befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. 20 Jesus antwortete ihm: Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe ich im Geheimen gesprochen. 21 Warum fragst du mich? Frag doch die, die gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe; siehe, sie wissen, was ich geredet habe. 22 Als er dies sagte, schlug einer von den Dienern, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: Antwortest du so dem Hohepriester? 23 Jesus entgegnete ihm: Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach; wenn es aber recht war, warum schlägst du mich? 24 Da schickte ihn Hannas gefesselt zum Hohepriester Kajaphas. 25 Simon Petrus aber stand da und wärmte sich. Da sagten sie zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern? Er leugnete und sagte: Ich bin es nicht. 26 Einer von den Knechten des Hohepriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen? 27 Wieder leugnete Petrus und gleich darauf krähte ein Hahn.

Einheitsübersetzung 2016 © Kath. Bibelanstalt

 

Ich lese den Text

Wie ist die Dramaturgie dieser beiden Befragungen? Welche Szenen werden beschrieben?

Wer stellt Fragen, wer gibt Antworten, wer provoziert, wer handelt? Was geschieht drinnen, was draußen?

Wie wirkt Jesus in seinen Antworten?

Der Text liest mich

Wie wirkt Petrus‘ Verhalten auf mich? Würde ich wie Petrus sagen „Ich bin es nicht“?

Welche Erfahrungen von Schuld und/oder Verrat musste ich erleben?

 

(3) Joh 18,28–19,3: Das Verhör durch Pilatus I

18,28 Von Kajaphas brachten sie Jesus zum Prätorium; es war früh am Morgen. Sie selbst gingen nicht in das Gebäude hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Paschalamm essen zu können. 29 Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen? 30 Sie antworteten ihm: Wenn er kein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert. 31 Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn doch und richtet ihn nach eurem Gesetz! Die Juden antworteten ihm: Uns ist es nicht gestattet, jemanden hinzurichten. 32 So sollte sich das Wort Jesu erfüllen, mit dem er angedeutet hatte, welchen Tod er sterben werde. 33 Da ging Pilatus wieder in das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der König der Juden? 34 Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus oder haben es dir andere über mich gesagt? 35 Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und die Hohepriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? 36 Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königtum nicht von hier. 37 Da sagte Pilatus zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. 38 Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit? Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen:

Ich finde keine Schuld an ihm. 39 Ihr seid aber gewohnt, dass ich euch zum Paschafest einen freilasse. Wollt ihr also, dass ich euch den König der Juden freilasse? 40 Da schrien sie wieder: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Räuber.

19,1 Darauf nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. 2 Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf das Haupt und legten ihm einen purpurroten Mantel um. 3 Sie traten an ihn heran und sagten: Sei gegrüsst, König der Juden! Und sie schlugen ihm ins Gesicht. Einheitsübersetzung 2016 © Kath. Bibelanstalt

 

Ich lese den Text

Wer stellt wem welche Frage? Welche Fragen finden Antworten?

Wie begegnen sich Pilatus und Jesus? Wie wird Pilatus, wie Jesus dargestellt? Wie bestimmt Jesus sein Königsein?

Der Text liest mich

„Jeder, der auf meine Stimme hört“ (V. 37): Wo bin ich aufnahmebereit? Wo höre ich Jesu Stimme? Was bedeutet für mich die „Wahrheit“, die Jesus selbst ist?

 

(4) Joh 19,4-19,16a: Das Verhör durch Pilatus II

4 Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen: Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; Ihr sollt wissen, dass ich keine Schuld an ihm finde. 5 Jesus kam heraus; Er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: Seht, der Mensch! 6 Als die Hohenpriester und die Diener ihn sahen, schrien sie: Kreuzige ihn, kreuzige ihn! Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn! Denn ich finde keine Schuld an ihm. 7 Die Juden entgegneten ihm: Wir haben ein Gesetz und nach dem Gesetz muss er sterben, weil er sich zum Sohn Gottes gemacht hat. 8 Als Pilatus das hörte, fürchtete er sich noch mehr. 9 Er ging wieder in das Prätorium hinein und fragte Jesus: Woher bist du? Jesus aber gab ihm keine Antwort. 10 Da sagte Pilatus zu ihm: Du sprichst nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen? 11 Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre; darum hat auch der eine grössere Sünde, der mich dir ausgeliefert hat. 12 Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen, aber die Juden schrien: Wenn du diesen freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich zum König macht, lehnt sich gegen den Kaiser auf. 13 Auf diese Worte hin ließ Pilatus Jesus herausfuhren und er setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platz, der Lithostrotos, auf Hebräisch Gabbata, heißt. 14 Es war Rüsttag des Paschafestes, ungefähr die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: Seht, euer König! 15 Sie aber schrien: Hinweg, hinweg, kreuzige ihn! Pilatus sagte zu ihnen: Euren König soll ich kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. 16 Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde.

Einheitsübersetzung 2016 © Kath. Bibelanstalt

 

Ich lese den Text

Wie wird Jesus geschildert und wie die Reaktion des Pilatus?

Welche Sätze enthalten gleichzeitig eine oberflächliche und eine tiefere Ebene?

Der Text liest mich

Wie empfinde ich die Darstellung Jesu und die Reaktion des Pilatus?

Wie höre ich: „Seht, der Mensch!“?

Kenne ich das Gefühl, dass ich mir von einem Menschen wünsche: weg mit ihm?

 

(5) Joh 19,16b-19,30: Die Kreuzigung

16b Sie übernahmen Jesus. 17 Und er selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgota heißt. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte aber Jesus. 19 Pilatus ließ auch eine Tafel anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden. 20 Diese Tafel lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst. 21 Da sagten die Hohepriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. 23 Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, und dazu das Untergewand. Das Untergewand war aber ohne Naht von oben ganz durchgewoben. 24 Da sagten sie zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies taten die Soldaten. 25 Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26 Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! 27 Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. 28 Danach, da Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. 29 Ein Gefäß voll Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. 30 Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.

Einheitsübersetzung 2016 © Kath. Bibelanstalt

 

Ich lese den Text

Welche Szenen gibt es? Welche Personen treten auf? Was passiert auf der Oberfläche, wie wird es gedeutet?

Gehen Sie den Leitwörtern „nehmen“ und „geben“ nach. Was zeigt sich?

Jesus erscheint als Souverän. Welche Gedanken ruft dieses Jesusbild in mir hervor?

Der Text liest mich

Der Text bildet eine Folge von Szenen: Welches Wort, welche Szene berührt mich am

meisten?

Was wünsche ich mir für meine Sterbestunde? Wer sollte bei mir sein?

 

(6) 19,31-19,42: Kreuzabnahme und Begräbnis

31 Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten - dieser Sabbat war nämlich ein großer Feiertag -, baten die Juden Pilatus, man möge ihnen die Beine zerschlagen und sie dann abnehmen. 32 Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war. 33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, 34 sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich flossen Blut und Wasser heraus. 35 Und der es gesehen hat, hat es bezeugt und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres sagt, damit auch ihr glaubt. 36 Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen. 37 Und ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. 38 Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur im Verborgenen. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. 39 Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. 40 Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. 41 An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. 42 Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei.

Einheitsübersetzung 2016 © Kath. Bibelanstalt

 

Ich lese den Text

Welche Personen kommen vor? Wie reagieren sie jeweils auf den toten Jesus?

Was wird über den Umgang mit dem Körper Jesu gesagt?

Der Text liest mich

Welche der Personen im Text ist mir am nächsten?

Was berührt mich an dem Text am meisten?

Tipp: Lesen Sie mit der Passion im Hinterkopf den Johannesprolog Joh 1. Welche Verbindungen sehen Sie?

Wie füllt sich Joh 1 mit den Bildern aus den Passionstexten?

 

Wissenswertes zum Text

Johannes gibt seiner Erzählung von Jesu Leiden und Sterben ein ganz eigenes Gepräge. Dies zeigt auch die sorgfältige Struktur: Zeit- und Ortsangaben gliedern den Text. Die ersten Ereignisse von der Gefangennahme bis zur Verleugnung des Petrus finden in der Nacht statt (18,1–27), der Hahnenschrei im Hof des Hohenpriesters (18,27) markiert den Tagesanbruch. Der zweite Teil mit der Verhandlung vor Pilatus umgreift den frühen Morgen bis zur Verurteilung Jesu in der Mittagsstunde (18,28–19,16a). Der dritte und letzte Teil (19,16b–42) schließlich spielt am Nachmittag des Rüsttages. In allen drei Teilen finden sich zwei unterschiedliche, spannungsvoll aufeinander bezogene Orte: ein Garten und der Palast des Hohenpriesters im ersten Teil, der Platz vor dem Prätorium und das Innere des Prätoriums im zweiten Teil, Golgota und das Grab in einem Garten im dritten Teil. Durch diesen klaren Aufbau wird deutlich, dass wir es mit einem literarisch sorgfältig arrangierten Text zu tun haben. Die ausführlich dargestellte Verhandlung vor Pilatus hat innerhalb dieser Komposition zentrale Bedeutung.

 

Der Tod Jesu als Erhöhung und Verherrlichung

Johannes interpretiert die Passion Jesu in einer besonderen Weise. Drei Stichworte spielen dabei eine zentrale Rolle: Das Sterben Jesu ist die „Stunde“ Jesu (vgl. 2,4; 7,6.30; 8,20; 12,23.27; 13,1), seine „Erhöhung“ (vgl. 3,14; 8,28; 12,32–34) und „Verherrlichung“ (vgl. 7,39; 8,54; 11,4; 12,16.23.28; 17,1). Das ist eine durchaus radikale theologische Deutung des grausamen Todes Jesu, die sich ganz aus der nachösterlichen Gewissheit speist, dass Jesus durch die Aufweckung von Gott errettet und ins Recht gesetzt worden ist. Durch die zahlreichen Wiederholungen dieser Begriffe kennen Leserinnen und Leser diese Deutungsangebote und können daher das ab 18,1 Erzählte auf diesem Hintergrund wahrnehmen, auch ohne dass die Begrifflichkeit ständig wieder aufgerufen wird. Die Stunde des Todes Jesu ist der Moment seiner Rettung spendenden Erhöhung und Verherrlichung. Jesu letztes Wort „Es ist vollbracht!“ kennzeichnet seinen Tod als Vollendung.

Jesus als der wahre König

In dieses erzählerische Konzept fügt es sich ein, dass Jesus mit Königsattributen ausgestattet wird. Bereits beim Einzug nach Jerusalem wird Jesus ausdrücklich als „König Israels“ begrüsst (Joh 12,13, anders in Mk 11,9f), jenem Titel also, den Pilatus später über den Gekreuzigten hängen lässt. Das auf den Einzug folgende Gespräch mit den Griechen (12,20–36), in das sich sogar eine Himmelsstimme einmischt (12,28), dient als Leseanleitung für die Passionserzählung. Hier fallen die Schlüsselbegriffe Stunde, Verherrlichung, Erhöhung und Gericht. Das Königtum Jesu spielt besonders in der Szene vor Pilatus dann die entscheidende Rolle. Jesus selbst bekennt sich zu seinem Königtum (18,37), in der Geißelungsszene wird für Leserinnen und Leser in der verhöhnenden Verkleidung die Würde Jesu offenbar (19,1–3) und schließlich stellt Pilatus Jesus seinen Gegenspielern als „euren König“ vor (19,14). Die Vorstellung vom „wahren“ Königtum Jesu, das von Pilatus und den Hohenpriestern verspottet und verächtlich gemacht wird, erschließt sich dem Leser nach der Lektüre des Evangeliums. Es bestimmt über die einzelnen Motive hinaus auch die Art der Darstellung, wenn Jesus trotz der Gewaltakte, die er erleiden muss, als der souverän Handelnde erscheint, besonders auffällig in der Szene seiner Gefangennahme (Joh 18,4–9).

Das Kreuzesgeschehen als Rettungsgeschichte

Dem Gedanken der Macht, die mit den Königsattributen verbunden ist, stellt Johannes den Gedanken der Rettung an die Seite. Das gelingt innerhalb der Passionserzählung besonders durch die wiederholten Anspielungen auf das zeitgleich gefeierte Pessachfest, das an den Auszug aus Ägypten erinnert. Die Zeitangabe des Todesurteils (19,14), die mit der Schlachtung der Pessachlämmer im Tempel korrespondiert, die Verwendung des Ysop-Zweigs (19,29) und der Lanzenstoß mit seinen Deutungen aus der Schrift (19,31–37) öffnen die Perspektive auf das gerade begangene Pessachfest. Nirgends gibt es in der Passionserzählung eine simple Identifikation zwischen Jesus und den Opferlämmern, doch die Bezeichnung Jesu als „Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ am Beginn des Evangeliums (Joh 1,29.36) klingt Leserinnen und Lesern noch im Ohr. So macht Johannes deutlich: Das Kreuzesgeschehen knüpft an jene große Befreiungsgeschichte an, die Israel mit seinem Gott erfahren hat und mit dem Pessachfest feiert. Ebenso bedeutet das Kreuz Rettung für die Welt.

(Olaf Rölver)

Zum Weiterlesen und Weiterdenken

Weil es dich kümmert (Lied zu Ps 139)

 

Weil es dich kümmert, Gott,

weil es dich kümmert, wenn ich gekränkt bin,

wenn ich am Boden lieg.

Greifst du mir ganz sacht unter die Arme

Und du hebst mich auf und ich atme aus.

Weil es dich kümmert,

was mit mir ist,

spüre ich Glanz in mir,

der meine Augen die Hilfe sehen lässt,

die durch die Tiefe gegangen ist.

(T+M: Alexander Bayer, Entzücklika https://www.youtube.com/watch?v=Uz28wgMUZjg)

 

Mein Gott, mein Erlöser, bleibe bei mir. Fern von dir müsste ich welken und verdorren.

Zeigst du dich mir wieder, blühe ich auf in neuem Leben.

Du bist das Licht, das nie verlöscht, die Flamme, die immer lodert.

Vom Glanz deines Lichts beschienen, werde ich selber Licht, um anderen zu leuchten.

(John Henry Newman)

 

tod wird weiterherrschen

massenweise. Vielerorts

das ist sicher

aber noch im müdesten aufstehen

treten wir zu ihm

in unsterblichem widerstand

in gottes namen

das ist ganz sicher

(Wilhelm Bruners)

 

Lesetipp

- Damit auch ihr glaubt. Die Johannespassion lesen (Joh 18-19), Das Lectio-Divina-Leseprojekt des Bibelwerks Band 22, Stuttgart, Katholisches Bibelwerk e.V. 2020

- Passion – Gott im Leiden (Bibel heute 1/2019) (Kostenloser Download: https://www.bibelwerk.de/verein/)

- Gewalttexte der Bibel – ein Ärgernis? (Bibel heute 1/2017)

 

Mit diesem Angebot einer Lectio Divina zu den Passionstexten des Karfreitags grüssen wir Sie ganz herzlich aus dem Bibelwerk. Wir hoffen, dass die Beschäftigung mit dem Wort Ihnen in diesen schwierigen Zeiten Mut, Zuversicht und Kraft gibt.

Diesen Impuls hat für Sie Dr. Bettina Wellmann, wiss. Referentin im Katholischen Bibelwerks e.V. und Redakteurin der Zeitschrift „Bibel heute“ vorbereitet.

 

Eine Alternative aus dem Internet: Die Johannespassion aus St. Ansgari in Ansbach:

https://youtu.be/EOZC2edwEmw

Ausklang: https://youtu.be/MXvaeMWkYrE

 

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Die Osternachtfeier

In dieser Liturgie finden Sie die Texte, welche vom Katholischen Bibelwerk vorgeschlagen werden

Die Feier der Osternacht 11./12. April 2020

Lesung: Ex 14,5-15,1 (13,17-15,20)

Die Osternachtfeier besteht aus vier Gottesdiensten: der Lichtfeier am Osterfeuer, dem Lesungsgottesdienst, der Tauffeier und der Eucharistie. Dieses Jahr ist alles anders. Vieles wird uns genommen, manches neu geschenkt.

Der Lesungsgottesdienst ist eine Nachtwache, eine Vigil. Wie das Volk Israel an Pessach, so versammelt sich die Kirche in dieser Nacht, um sich wachend und betend des rettenden Handelns

Gottes zu erinnern.

Dort, wo der Tod die Macht zu haben scheint, schafft Gott durch sein Wort Leben:

In der Schöpfung, in der Offenbarung an Abraham, bei der Rettung Israels am Schilfmeer und am

Grab seines Sohnes, den er von den Toten zum Leben auferweckt. Der Weg zum Leben geht nicht am Tod vorbei, vielmehr durch Gottes Macht mitten durch ihn hindurch.

Viele von uns befinden sich in dieser Nacht in der – aus Nächstenliebe – erzwungenen Vereinzelung.

Wir wollen uns in der Osternacht durch eine Zeit der Wache, durch Lesung und eine Lichtfeier

miteinander verbinden. Wir schöpfen Hoffnung aus den Worten der Schrift. Der Gang durch die

Lesungen weitet unseren Blick: Wir erwarten die Erlösung der ganzen Welt aus ihrer Verstrickung in tödliche Strukturen - in diesem Jahr vielleicht sehnsüchtiger als sonst. Die Verwandlung der Welt beginnt mit uns: Wir alle sind mit Christus auf seinen Tod getauft – um mit ihm ins Leben gerufen zu werden (vgl. Röm 6,3-11).

 

LECTIO DIVINA: IN EINEN DER LESUNGSTEXTE EINTAUCHEN UND SICH BESCHENKEN LASSEN

 

Am Anfang entzünden wir die Osterkerze und segnen sie. Wir erinnern uns, dass in den Texten der Osternacht das Licht Gottes die Welt erhellt - von der Schöpfung bis hin zum Ostermorgen.

 

Segnung des Osterlichts

Christus,

gestern und heute.

Anfang und Ende

Alpha und Omega.

Sein ist die Zeit

und die Ewigkeit.

Sein ist die Macht und die Herrlichkeit.

Durch seine Wunden,

die leuchten in Herrlichkeit,

behüte uns und bewahre uns

Christus, der Herr.

 

Ich verweile noch einen Moment bei diesem Segen:

Unsere irdische Zeit ist von Christus umfangen. Was bedeutet es mir, dass Christus

uns durch seine Wunden behütet?

 

Lesung: Exodus 14,5-15,1

Lesen im Licht des Osterfeuers

In dieser Nacht werden von der Kirche eigentlich sieben grosse biblische Texte gelesen und meditiert. Wir sind eingeladen, einen Teil der Lesefeier nun in der Lectio Divina zu vollziehen.

 

Die Lesung aus dem Buch Exodus ist derjenige Text, der nie ausfallen darf. Sie sind eingeladen, ihn dieses Jahr einmal in seiner ganzen Länge und in einer ungewohnten Übersetzung zu lesen: Ex 14,5-15,1 (in der Liturgie wird Ex 14,15-15,1 gelesen.)

 

Aus dem Buch Exodus, Kapitel 14 -15

14,5 Dem König von Ägypten wurde gemeldet, dass das Volk geflohen sei, und es wandelte sich das Herz des Pharaos und seiner Knechte gegen das Volk und sie sagten: Was haben wir getan, dass wir das Volk aus unserer Knechtschaft entlassen haben? 6 Und er spannte seinen Kriegswagen an und nahm sein Volk mit sich. 7 Er nahm sechshundert ausgesuchte Kriegswagen und alle Kriegswagen Ägyptens und drei Mann auf jedem. [...]

13 Mose sagte zum Volk: Fürchtet euch nicht! Stellt euch hin und seht die Rettung des HERRN, die er heute für euch machen wird. Denn wie ihr Ägypten heute sehen werdet, werdet ihr sie nicht mehr sehen bis in Ewigkeit. 14 Der HERR wird für euch kämpfen, ihr aber bleibt still! 15 Der HERR sagte zu Mose: Was schreist du zu mir? Rede zu den Israeliten, dass sie weiterziehen sollen. 16 Und du, hebe deinen Stab und strecke deine Hand über das Meer und teile es. Und die Israeliten kommen mitten in das Meer – auf dem Trockenem. 17 Ich aber, siehe, ich verhärte das Herz Ägyptens, und sie werden ihnen nachkommen, und ich werde mich verherrlichen am Pharao, an seiner ganzen Heeresmacht, an seinen Kriegswagen und seinen Wagenfahrern. 18 Die Ägypter sollen erkennen, dass ich der HERR bin. wenn ich mich verherrliche am Pharao, an seinen Kriegswagen und seinen Wagenfahrern. 19 Der Bote Gottes, der vor dem Lager Israels herging, zog und ging hinter sie, und die Wolkensäule vor ihnen zog und stellte sich hinter sie. 20 Sie kam zwischen das Lager Ägyptens und das Lager Israels. Und es war da die Wolke, und Finsternis, und sie machte licht die Nacht. Keines kam dem anderen die ganze Nacht näher. 21 Mose streckte seine Hand über das Meer aus, und der HERR ließ das Meer durch einen starken Ostwind die ganze Nacht hindurch weggehen und machte das Meer zu trockenem Boden, und das Meer spaltete sich. 22 Die Israeliten kamen mitten in das Meer - auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer rechts und links. 23 Die Ägypter verfolgten sie und kamen hinter ihnen her, alle Pferde des Pharaos, seine Kriegswagen und seine Wagenfahrer, mitten ins Meer. 24 Und es geschah zur Morgenwache, da blickte der HERR auf das Lager Ägyptens durch die Säule von Feuer und Wolke und versetzte das Lager Ägyptens in Verwirrung. 25 Er ließ abspringen das Rad ihrer Wagen und ließ sie nur schwer vorankommen. Ägypten sagte: Ich will vor Israel fliehen, denn der HERR kämpft für sie - gegen Ägypten. 26 Der HERR sagte zu Mose: Streck deine Hand aus über das Meer, damit das Wasser zurückkehrt über Ägypten, seine Kriegswagen und seine Wagenfahrer. 27 Mose streckte seine Hand über das Meer aus, und das Meer kehrte gegen Morgen in sein Bett zurück, und Ägypten floh ihm entgegen. Der HERR schüttelte Ägypten mitten ins Meer. 28 Das Wasser kehrte zurück und bedeckte die Kriegswagen, die Wagenfahrer, die ganze Heeresmacht des Pharaos, die den Israeliten ins Meer nachgekommen war. Nicht einer blieb von ihnen übrig. 29 Die Israeliten aber waren auf dem Trockenen inmitten in das Meer gegangen, und das Wasser war ihnen eine Mauer rechts und links. 30 Der HERR rettete an jenem Tag Israel aus der Hand Ägyptens. Und Israel sah Ägypten tot am Rand des Meeres. 31 Israel sah, wie der HERR mit mächtiger Hand an Ägypten gehandelt hatte, und das Volk fürchtete den HERRN, und sie glaubten an den HERRN und an Mose, seinen Knecht.

15,1 Damals sangen Mose und die Israeliten dem HERRN dieses Lied. Sie sagten: Singen will ich dem HERRN, denn hoch erhob er sich. Pferd und Kriegswagen warf er ins Meer.

(Übersetzung: Egbert Ballhorn)

 

Ich lese den Text

Ich lese den Abschnitt in Ruhe (mehrfach) gründlich durch und versuche ihn zu erfassen.

Dabei helfen mir die Fragen:

Was tut Israel?

Was tut Gott? Wodurch handelt er?

Der Text liest mich

Ich höre, was mir der Text für mein Leben und Glauben sagen kann:

Ich gehe innerlich den Weg des Textes mit. Welches Wort spricht mich an - in der

heutigen Nacht?

 

Gebet in der Nachtwache

Diese Nacht ist die Mutter aller Vigilfeiern.

Ich verbinde mich in Gedanken und im Gebet besonders mit denen,

die diese Nacht durchwachen:

mit Ärzten und Schwestern auf den Pflegestationen,

mit Kranken, die um ihr Leben ringen,

mit Angehörigen, die keinen Schlaf finden,

mit Menschen, die um ihre Existenz bangen,

mit allen, die in ihrem Glauben vor Gott treten, lesen und beten.

Meine Hilflosigkeit und Sehnsüchte, meine Fürbitte bringe ich vor Gott: …..

 

Wissenswertes zum Text

Die Bilder der Gewalt im Text sind verstörend. Es geht jedoch nicht um einen Krieg, einen

Zweikampf „Israel“ gegen „Ägypten“. Das Machtverhältnis ist absolut asymmetrisch. Israel

ist ein wehrloses, verschrecktes Flüchtlingsvolk aus Männern, Frauen und Kindern, die nichts

anderes wollen, als dem Land der Unterdrückung und des Todes zu entfliehen. Ihnen steht

die hochgerüstete Militärmacht Ägypten gegenüber, die sie in den Tod treiben will. An den

meisten Stellen heißt es übrigens nicht „die Ägypter“, sondern „Ägypten“. Leider hat auch

die neue Einheitsübersetzung das nicht berücksichtigt. Die kollektive Größe Ägypten wird im

Text sprachlich als Todesmacht inszeniert, nicht als Gruppe von Individuen. Auch der Pharao

ist ein namenloser Funktionsträger der Macht. Unter ihm stehen seine Kriegsinstrumente:

600 Streitwagen.

Pferdegezogene Kriegswagen waren militärische Hochtechnologie des Alten Orients, ein

wirksames Mittel, feindliche Soldaten zu überrollen – und hier wehrlose Flüchtlinge.

Lesen Sie auch den gesamten Zusammenhang Ex 13,17-15,20!

 

Zum Weiterlesen und Weiterdenken

Nachtwache. Vigil. Diese Zeit bietet uns eine Möglichkeit, es so zu halten wie die Alte Kirche,

nämlich in der Osternacht den gesamten Textzusammenhang der Passions- und Auferstehungs-geschichte Jesu zu lesen und zu betrachten: Mt 16,1-28,8.

 

Was verändert sich in meiner Wahrnehmung der Erzählung, wenn ich sie an einem

Stück lese?

Ich entdecke Verbindungen zwischen der Exoduserzählung und der Passions- und

Ostererzählung ….

Lesen im Licht des Osterfeuers: Wo leuchtet Licht in diesen Texten?

 

Lesetipp Georg Steins, Egbert Ballhorn, Und es wurde Morgen. Die biblischen Lesungen der

Osternacht, Regensburg 2020.

 

Persönliche Bemerkung

Vielleicht noch nie seit Gründung des Christentums haben die Christinnen und Christen auf der Welt auf eine gemeinsame Osterfeier verzichtet wie in der Osternacht jetzt im Jahr 2020. Eine meiner eigenen frühesten Kindheitserinnerungen ist der Weg in der Dunkelheit mit meinen Eltern zur Kirche zur Feier der Osternacht. Dieses Jahr wird es das erste Mal sein, dass ich auf diese mir so kostbare Form der gemeinsamen Feier verzichte. Und es bedeutet mir viel, dass wir doch - durch das Wort und Osterlicht verbunden - miteinander feiern und uns erinnern, dass wir nicht alleingelassen sind von dem, der seinen einzigen Sohn auch nicht alleingelassen hat.

Vielleicht mögen Sie in Ihrer Familie oder Nachbarschaft auch zu einer bestimmten Uhrzeit ein Osterfeuer im Garten entzünden und andere mit einer Nachricht im Briefkasten einladen, aus ihren Fenstern zu schauen und so am Osterlicht teilzuhaben?

Mit diesem Angebot einer Lectio Divina zu den Lesungstexten der Fastensonntage grüssen wir Sie ganz herzlich aus dem Bibelwerk. Wir hoffen, dass die Beschäftigung mit dem Wort Ihnen in diesen schwierigen Zeiten Mut, Zuversicht und Kraft gibt.

Diesen Impuls hat für Sie Prof. Dr. Egbert Ballhorn, Vorsitzender des Katholischen Bibelwerks e.V., vorbereitet.

Ausklang: https://youtu.be/MXvaeMWkYrE

 

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Ostern 2020

 

Kirche  Maladers 9 Uhr und Friedhof Tschiertschen 10 Uhr

 

Mitwirkung: Joan Raetzke, Trompete

 

Für diese Version fürs Internet habe ich die Musik immer mit Beispielen aus dem Internet ergänzt.

 

Eröffnungsspiel

https://youtu.be/rzdBurUlI20

Wochenspruch:

"Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle." Offb 1,1

Lied Nr. 462 „Christ ist erstanden“

https://youtu.be/mFfSRKGSPVM

Christ ist erstanden / von der Marter alle. / Des solln wir alle froh sein; / Christ will unser Trost sein. / Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden, / so wär die Welt vergangen. / Seit dass er erstanden ist, / so freut sich alles, was das ist. / Kyrieleis.

Halleluja, Halleluja, / halleluja. / Des solln wir alle froh sein; / Christ will unser Trost sein. / Kyrieleis.

Tagesgebet

Allmächtiger, ewiger Gott,

am heutigen Tag

hast du durch deinen Sohn den Tod besiegt

und uns den Zugang zum ewigen Leben erschlossen.

Darum begehen wir in Freude

das Fest seiner Auferstehung.

Schaffe uns neu durch deinen Geist,

damit auch wir auferstehen

und im Licht des Lebens wandeln.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer

10 Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen. 11 Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt. 12 So sind wir nun, liebe Brüder und Schwestern, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben. 13 Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, so werdet ihr leben. 14 Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. 15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! 16 Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. 17 Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, da wir ja mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden.

 

18 Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. 19 Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. 20 Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat –, doch auf Hoffnung; 21 denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt.

 

29 Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. 30 Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht. 31 Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?

 

34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt. 35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« 37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Lied Nr. 480 "O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit" 1.3.4.

https://youtu.be/kkXyAgnmsFU

O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit, / da Jesus lebt ohn alles Leid. / Er ist erstanden von dem Tod; / wir sind erlöst aus aller Not. / O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit.

O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit. / Der Tod ist überwunden heut. / Es darf uns nicht mehr vor ihm graun; / auf Christi Sieg wir nun vertraun. / O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit.

O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit. / Erhalt uns, Jesu, diese Freud, / zu sagen hier zu aller Stund / und dort einmal mit frohem Mund: / O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit.

Zwischenspiel

Lesung Evangelium Markus 16,1-8

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hin zu gehen und ihn zu salben. 2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. 3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? 4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. 5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. 6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. 7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. 8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

Zwischenspiel

Gebet des Herrn

Unser Vater im Himmel.

Geheiligt werde Dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Lied Nr. 485 "Dir, Auferstandner" 1.2.3.

Dir, Auferstandner, sei der Lobgeang, / dir, dem Auferweckten, der den Tod bezwang. / Steigt im Licht ein engel aus der Höh herab, / und er walzt den schweren Stein hinweg vom Grab. / Dir,  uferstandner, sei der Lobgesang, / dir, dem Auferweckten, der den Tod bezwang.

Sieh ihn erscheinen, zweifle nicht daran, / schau auf ihn, den Einen, der dich retten kann. / Gottes Volk, sei heiter: Er ist's Jesus Christ. / Sag es herzhaft weiter, dass er Sieger ist. / Dir, auferstandner, sei der Lobgesang, / dir, dem Auferweckten, der den Tod bezwang.

Er lebt nun ewig; ist mir da noch bang? / Diesem Friedenkönig dien ich lebenslang. / Er ist mein Genügen; bang ist mir nicht mehr. / Dasein und Vermögen, meine Ehr ist er. / Dir, Auferstandner, sei der Lobgesang, / dir, dem Auferweckten, der den Tod bezwang.

Mit niederländischer Gemeindegesang: https://youtu.be/kXUJHXwBlXA

Segenbitte

Gott, segne und behüte uns,

Gott, lass Dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,

Gott, erhebe Dein Angesicht auf uns und gib uns Frieden.

Musik zum Ausklang: https://youtu.be/MXvaeMWkYrE

 

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