Pausenzeichen Arosa-Zeitung


Ich hätte gehofft, dass nächster Sonntag der erste Sonntag nach dem Corona Lock down sein würde. Dem ist nicht so. Mögen Sie noch über Corona reden? Lesen Sie noch die neuesten Angaben? Oder sind Sie etwas gelassener? Nehmen Sie es, wie es eben kommt?

 

In der Zeit, welche dann hoffentlich bald hinter uns liegt, sind viele Initiativen ergriffen worden, um den Gottesdienstbesuchenden entgegenzukommen. In den Kirchgemeinden, in denen ich als Stellvertreter wirke, hätten wir eigentlich gut den Gottesdienst gestalten können mit 2 Meter Distanz zu den einzelnen Kirchgängern (Es sei denn sie wären, als Paar oder als Familie gekommen.) Ob unsere Kirchbürgerinnen und Kirchbürger die Kirche vermisst haben?

 

Ich wandere gerne und mache mir dann so meine Überlegungen. Sie sind nicht immer fröhlich.

 

Vielleicht haben wir jetzt so mal einen Vorgeschmack eines möglichen zukünftigen Szenarios bekommen? Mangels Interesse für Ämter und Ämtli, mangels Interesse für den Gottesdienst schliessen die Kirchen. Sie sind noch für die persönliche Andacht, für die persönliche Besinnung offen. Aber auch das ist dann vielleicht irgendwann "Geschichte". Denn eine offene Kirche muss auch gereinigt, gepflegt werden und wenn es niemand mehr interessiert?

 

Vielleicht bestünde die Möglichkeit, die Kirche zu verkaufen. Und die Gemeinde könnte sie dann leasen. Wir müssten uns dann noch darüber einig werden, für wieviel Stunden (nein, nicht Tage oder Wochen, nur Stunden reichen) wohl? Die eine Gemeinde wird mit ein bis zwei Stunden im Monat auskommen. Die andere bräuchte vielleicht doch mindestens vier Stunden. Die Pfarrstelle ist schon längst eingespart. Es gibt den "Stundenpfarrer" oder die "Stundenpfarrerin". Für die Kasualien braucht es die Ortskirche kaum noch, denn in Chur gibt es Krematorium und Waldfriedhof. Ja, natürlich hat jede Kirche eine "Kulturförderverein". Da gibt es dann Konzerte, damit die Orgeln noch gebraucht werden. Vielleicht entsteht hier und da eine Arbeitsgemein-schaft, die sich für die Umnutzung des Gebäudes einsetzt, wobei der sakrale Charakter des Raumes berücksichtigt wird... Klingt doch gut, oder?

 

Ich verscheuche diese Vorstellung einer Zukunft, die vielleicht gar nicht so weit weg ist. Es schmerzt schon, wenn man die Kirche, die einem vertraut war, zum Museum, zum Laden umge-wandelt wurde. Aber die Kirche als Gebäude ist nicht wichtig. Die Kirche als Gebäude, das sind vier Wände und ein Dach, meistens unbequeme Bänke, nicht immer gut gelüftet oder geheizt. Nein, das ist nicht DIE KIRCHE über die ich in meiner Bibel lese.

 

Sie haben es sicher auch schon gehört: Unser Wort Kirche kommt von einem griechischen Eigenschaftswort. "Des Herrn", die "Bewegung des Herrn", das meint Kirche. Kirche ist etwas, was in Bewegung ist. Kirche ist etwas, das bewegt. Nicht, wie es auch hier und da verstanden wird, wo neue Gottesdienstformen ausprobiert werden mit neuen Rhythmen, mit Tanz, eben mit Bewegung. Eine bewegte Kirche ist für mich eine Kirche, die ihren Mitgliedern nicht immer ein gutes Gefühl vermittelt. Sie darf ruhig aufrütteln, wachrütteln.

 

Vielleicht entwickeln wir eine neue Form von Kirche? Die reformierte Kirche betont gerne das "Priestertum aller Gläubigen". Da muss ich lächeln. Wenn es so wäre, dann müsste eine pfarrerlose Zeit eine Zeit sein, in welcher die Gemeindeglieder ihre Talente entdecken und wirken lassen.

 

In diese Corona-Zeit fiel unser grösstes, wichtigstes Fest, ohne das es kein Christentum gäbe: Ostern. Dieses Fest verbindet uns mit dem Judentum, das ebenfalls auf einen gemeinsamen Ursprung zurückgeht. In der jüdischen Feier zum Gedenken an dem Auszug aus Ägypten wird betont, dass diese Geschichte vom Auszug erzählt wird. Von Generation zu Generation. Der Tisch zu Hause wird zum Ort der religiösen Feier. Der Auferstandene spricht im Evangelium nach Matthäus, dass die Jünger zu den Völker gehen sollen: "Und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe."

 

Über diesen Satz wäre es schön, wenn wir miteinander über diesen Satz reden könnten, und was er für uns in unseren Berggemeinden bedeutet?